Interview mit dem Präsidenten von DVB Mirko Heid zu aktuellen Themen zum Jahresabschluss 2016
Sind Baseball und Softball jetzt wieder olympisch?
Das IOC hat in seiner letzten IOC-Sitzung am 03.08.2016 entschieden, Baseball und Softball für die Spiele 2020 in Tokio wieder mit aufzunehmen. Wir freuen uns über diese Entscheidung. Aus meiner Sicht darf eine der weltweit meist verbreitetsten Sportarten beim größten sportübergreifenden Event nicht fehlen. Ich wünsche mir, dass die Begeisterung in Japan für unsere Sportart das IOC auch davon überzeugt Baseball und Softball wieder dauerhaft in das Programm mit aufzunehmen, so dass eine olympische Perspektive auch über 2020 hinaus entstehen kann.
Welche konkreten Auswirkungen hat das für unsere Sportart in Deutschland?
Die Auswirkungen werden auf vielen Ebenen spürbar. Natürlich ist das nationale Sportfördersystem sehr auf die olympischen Sportarten fokussiert. Insofern ergeben sich hier wieder neue Perspektiven für uns und unsere Sportler. Auswirkungen werden auch bei Infrastrukturmaßnahmen spürbar sein. Auch hier unterscheiden sich Förderkriterien auf Bundes- und Landesebene nach olympischen und nicht-olympischen Sportarten. Der Zugang zu den Olympia-Stützpunkten und ihrem umfangreichen Leistungsangebot wird sich sicher unmittelbar positiv für unsere Athleten bemerkbar machen.
Auf Bundesebene wurde die Neuausrichtung der monetären Förderung des deutschen Sports eng an eine Leistungssportreform geknüpft. Hier haben das Bundesministerium des Inneren und der DOSB aber auch einzelne Verbände heftig diskutiert. Im Vorfeld der Entscheidung gab es auch viel Kritik. Wie stehen Sie zur Reform?
Ich denke, dass bei allen Akteuren Einigkeit darüber besteht, dass andere Nationen auf olympischer Ebene in den letzten Jahren im Medaillenspiegel aufholen oder sogar an uns vorbei ziehen. Ebenfalls wird deutlich, dass andere Nationen mehr investieren in die Entwicklung ihrer Sportarten, Sportler und Trainer. Aber einige der Nationen investieren nicht nur mehr, sondern versuchen ihr Investment auch gezielter auf Medaillenpotenziale auszurichten. Insofern ist die Diskussion, wie wir unsere Sportförderung für die Zukunft nicht nur erhöhen, sondern auch gezielter ausrichten. Also, eine quantitative und eine qualitative Komponente.
Hierzu wurde unter der Federführung des DOSB-Leistungssport-Direktors Dirk Schimmelpfennig ein Konzept entwickelt, welches alle Beteiligten, vor allem auch den Athleten mit einbindet. Dazu soll noch ein Analysemechanismus zu Einsatz gebracht werden, der bei der Einordnung in Medaillenpotentiale helfen soll. Wir halten dieses Konzept für richtig. Insofern hat der DBV dem Beschluss-Vorschlag im Rahmen der DOSB-Mitgliederversammlung auch seine Zustimmung gegeben.
Neben der sportübergreifenden Leistungsreform gibt es ja auch noch die DBV-Liga-Reform. Wie ist der Umsetzungsstand? Was ändert sich 2017?
Die DBV-Liga-Reform hat drei inhaltliche Ansätze. Mehr spielen, regionale Nähe und Perspektiven für unsere Talente schaffen. So werden die 2. Baseball-Bundesligen und die Regionalligen in insgesamt sechs regionale Gruppen zusammengefasst, um den Anforderungen in den unteren DBV-Ligen gerecht zu werden und die Kosten für die Vereine zu verringern. Zudem wird in der 1. Baseball-Bundesliga, über die reguläre Hauptrunde, eine Interleague-Runde für die besten vier Teams im Norden und Süden eingeführt, welche dann von den Play-Off gefolgt wird. So wird die Anzahl an Spielen in der höchsten deutschen Baseballliga angehoben.
Die vorgeschlagenen Lösungsansätze in Bezug die Regelung zur Begrenzung der EU-Spieler, welcher zu Ziel hatte mehr „Perspektiven für unsere Talente schaffen“, konnten die Mehrzahl der Bundesligavereine leider nicht überzeugen. Insofern hat der zuständige Ausschuss für Wettkampfsport in seiner letzten Sitzung am 11. Dezember entschieden, die vorgesehenen Regelungen in Bezug auf den Einsatz von EU-Spielern nicht weiter zu verfolgen.
Ist der DBV eingeknickt vor dem Widerstand einiger Vereine?
Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Vereine das vorgeschlagene Konzept in allen drei inhaltlichen Stoßrichtungen mittragen. In vielen persönlichen Gesprächen haben die Verantwortlichen für die Reform geworben. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht vollumfänglich haben überzeugen können. Und eine Reform gegen den Willen der Mehrheit der Vereine wäre sicher nicht zielführend gewesen.
Gleichwohl halten wir natürlich an der Zielsetzung, nämlich Perspektiven für unsere eigenen Talente zu schaffen weiter fest. Wir suchen jetzt nach neuen Wegen.
Was waren aus Ihrer Sicht die leistungssportlichen Highlights 2016?
Das Jahr hat zunächst mal mit einem enttäuschenden Abschneiden unserer Herren-Nationalmannschaft bei WBC-Qualifier in Mexiko begonnen. Insofern bin ich besonders stolz auf die Reaktion der Mannschaft im Rahmen der Europameisterschaft. Der vierte Platz war redlich verdient. Martin Helmig und sein Coaching Staff haben hier einen hervorragenden Job gemacht. Das war echtes Teamwork.
Im Baseball Nachwuchsbereich haben wir m.E. das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des deutschen Baseballs hinter uns. Die Junioren- und Jugend-mannschaft gewinnen jeweils die Bronzemedaille und unsere Schülermannschaft gewinnt zum ersten Mal Gold. Das ist eine tolle Entwicklung.
Besonders hervorzuheben ist natürlich das außergewöhnliche Engagement der Deutschen Baseball Akademie (DBA). Sie ist der Nukleus unseres Leistungssportprogramms im Nachwuchsbereich. Hier gilt Dank und Respekt Georg Bull und seinem Team vor und hinter den Kulissen.
Der Bundestrainer wurde eben genannt und ist ein gutes Stichwort. Wie schaut es da aus? Gehen wir mit Martin Helmig in den nächsten Zyklus?
Wie schon gesagt, hat Martin uns mit seiner Arbeit mit der Mannschaft überzeugt. Philipp Hoffschild (Vize-Präsident Leistungssport) und Dirk Fries stehen derzeit mit ihm in engen Gesprächen, wie wir die Zusammenarbeit auch für die Zukunft sichern können.
Zum Jahresende blickt man gerne zurück auf das Jahr. Was ist gut gelaufen? Woran gilt es noch zu arbeiten?
Auf die besonderen Momente im Bereich der Nationalmannschaften bin ich ja schon zu genüge eingegangen. Großartig war der Einstand von Max Kepler auf MLB-Ebene. Dass er sich in seiner Rookie-Saison direkt so stark in den Vordergrund spielt, hätte sicher kaum jemand zu träumen gewagt. Nach Donald Lutz der zweite MLB-spieler „Made in Germany“ macht uns natürlich alle stolz.
Persönlich habe ich mich sehr darüber gefreut, dass wir Coach Greg Frady in die Deutsche Hall of Fame haben aufgenommen haben. Ich denke, dass das den Respekt ausdrückt, den wir für ihn und seine Leistungen im vergangen Jahrzehnt empfinden.
Ausblick auf 2017. Was wünscht sich der Präsident für 2017?
Ich wünsche mir, dass nachdem wir nun seit ein paar Jahren den Mitgliederrückgang gestoppt haben, wir jetzt wieder in eine nachhaltige Wachstumsphase kommen. Viele Vereine zeigen, dass es geht und gehen mit innovativen Projekte in der Nachwuchsarbeit voran.
Ich wünsche mir viele motivierte Ehrenamtliche, die auf allen Ebenen vor und hinter den Kulissen auf nationaler, Landes- und regionaler Ebene sich für die Entwicklung unserer Sportart einsetzen.
Ich wünsche mir viele Spieler, Schiedsrichter und Trainer, die die Liebe zum Spiel leben.
Ich wünsche mir, dass MLB Ihr Engagement ausweitet und uns bei der Nachwuchsgewinnung aktiv unterstützt.
Und abschließend wünsche ich mir eine Rekord-Teilnahme bei der anstehenden DBV-Convention im Januar. Für alle Vereinsverantwortlichen, die Ihren Trainer etwas zu Weihnachten schenken wollen, ist das m.E. das ideale Geschenk.
Ich wünsche allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch und freue mich auf ein spannendes Baseball und Softball Jahr 2017.